Hiking in Hog Heaven

Unseren zweiten Tag in Sedona haben wir erneut mit einer Wanderung verbracht. Nach dem wir gestern in Richtung Little Horse unterwegs waren, ging es heute über Twin Buttes nach Hog Heaven und über Hog Wash zurück. Die Namen der Berge und Trails klingen witzig, sind aber des reine Resultat der Beschreibung des Aussehens.

Mit Hog Heaven war dementsprechend die Überquerung eines Bergkams gemeint, während Hog Wash das Wandern über riesige vom Wasser abgespülte Flächen bedeutete. Wenn es hier in den Bergen regnet, bilden sich wie in allen Gebirgen riesige Wasserläufe. Die hießigen Wasserläufe sind auf Grund des weichen Gesteins extrem abgerundet und flachgespült. Teilweise bilden sich auch runde Becken, in welchen je nach Ergiebigkeit des Regens mal mehr mal weniger große Wassergumpen verbleiben.

Die gesamte Tour ist eigentlich eine Biketour aber so etwas habe ich noch nier gesehen. Wir hatten zu tun mit Händen und Füßen voranzukommen, während vor uns Biker auf ihren Bikes sitzend (!) die gesamte Strecke bewältigten. Es ist kaum zu beschreiben, welche extremen Herausforderungen dieser Trail mit sich bringt. Die Warnung, nur für extrem geübte Biker war mehr als gerecht. Watch the video for reference!

Zurück am Parkplatz haben wir den Tag dann gemütlich in Sedona verbracht. Übrigens, und dies für meinen wissbegierigen Leser, MJ ... ;-)), Sedona hat seinen Namen einer Pionierin hier im Canyon zu verdanken. Um die Jahrhundertwende lebten nur knapp 15 Familien in der Region. Unter ihnen auch ein Mann Namens T.C. Schnebly. Er war mit Sedona, geb. Miller verheiratet. Sein Bruder zog aus gesundheitlichen Gründen in die Region und bat T.C. und seine Frau ihm zu folgen.

Die beiden eröffneten einen General Store und T.C. war der Meinung, dass die Ansammlung von Menschen in der Region einen regulären Mailverkehr benötige. Er beantragte in Washington die Eintragung der Mail Station "Oak Creek Crossing". Doch zu jener Zeit war man in Washington auf klare, kurze Namen aus und so reichte er den Namen seiner Frau Sedona ein. Washington akzeptierte und so ging die Poststation Sedona in das reguläre Postverzeichnis ein. Eine nette Geschichte wie ich finde.

Morgen wird uns die Route 66 wieder weiter tragen. Es geht von Sedona/ Flaggstaff bis nach Kingman.

Sedona - Red Rock Secret Mountains

Nach den vielen Tagen auf der Straße gönnen wir uns wieder etwas Auszeit. Die kommenden beiden Tage verbringen wir in den Bergen von Sedona. Mit den Alpen vor der Haustüre sind wir im Grunde recht verwöhnt und nicht so leicht zu beeindrucken. Wie in meinem gestrigen Blogbeitrag geschrieben, sind wir aber aus dem Staunen nicht herausgekommen.

Der Charme der Berge sind zum einen die Farben, insbesondere bei Sonnenauf - und untergang aber auch die Formen. Es gibt hier weniger kompakte und zusammenhängende Felsmassive, wie wir sie aus dem Alpen kennen. Dies liegt vor allem an der Entstehungsgeschichte, welche vor knapp 360 Millionen Jahren begann. Die heutigen Berge existierten zu dieser Zeit noch nicht. Ein gewaltiger Urozean überzog das Land und legte hier verschiedene Sedimente ab. Durch das Auseinanderdriften der Urkontinente, also der Bewegung der Erdkruste, wurde der Urozean mehr und mehr verdrängt. Es entstand subtropischer Lebensraum. Auch Dinosaurier waren hier in der Region von Sedona anzutreffen.

Ein jähes Ende fanden die Saurier mit dem gewaltigen Einschlag eines Meteoriten in der heutigen Region der Halbinsel Yukatan. Dieser Einschlag war so gewaltig, dass dieser auch tektonisch wirksam war. Das Areal des heutigen Arizona wurde dabei gehoben. Erneut drangen vor gut 200 Millionen Jahren wieder Ozeane vor und hinterließen Unmengen an Sedimenten. Das Auseinanderdriften der Kontinente führte zu weiteren strukturellen Veränderungen in Form von Faltungen.

Vulkanische Aktivitäten setzten auch in der Region Arizonas ein und bildeten riesige Lavaströme, welche tiefe Schluchten in die Region fräßten. In der erdgeschichtlichen Neuzeit wurde es dann ruhiger und so konnten Wind und Wasser beginnen, die über Jahrmillionen aufgestapelten Sedimentschichten zu errodieren. Das Ergebnis dieser Kräfte bildete die einzigartigen Canyons und Überbleibsel gewaltiger Bergformationen, wie sie in Sedona und weiter südlich Richtung Phönix zu finden sind.

Mit dem "beruhigen" der Extreme wurde auch menschliches Leben möglich. Große Indianerkulturen begannen sich in den Canyons auszubreiten. Es waren zunächst Sinagua Indianer, später auch Yavapai und Apachen, welche hier in Sedona lebten. Mit der Eroberung durch die Spanier und später durch die "Weißen" begann auch hier der Überlebenskampf für die Indianer.

Das heutige Sedona ist vor allem ein touristisches Ziel für Wanderer, Mountain Biker und Wintersportler. Sedona präsentiert sich sehr sauber, extrem unamerikanisch gestaltet, mit tollen kleinen Geschäften, Gallerien und schicken Restaurants. Ein Ort mit Wohlfühlcharakter.

Unseren heutigen Tag haben wir in mitten der grandiosen Natur bei einer Wanderung auf dem Little Horse Trail sehr genossen und uns unbewusst der Jahrmillionen an Entstehungsgeschichte dieser Region, an seinem heutigen Aussehen erfreut und nicht satt sehen können. Einen Eindruck von unserer kleinen Bergtour findet Ihr in den Bildern.

Von Gallup, NM nach Sedona, AZ

Wir verlassen New Mexico und gelangen in den US Bundesstaat Arizona. Der US Bundesstaat bietet Naturwunder, wie man sie in Häufung und Wandelbarkeit innerhalb von wenigen Miles wohl kaum ein zweites Mal auf der Welt findet. Bereits kurz hinter der Bundesgrenze eröffnet der Painted Dessert und Petrified Forest Nationalpark ein Zeitfenster in 220 Millionen Jahren erdgeschichtliche Vergangenheit.

Arizona war damals Bestandteil des Superkontinents Pangea und befand sich auf Höhe des Äquators. Dem entsprechend üppig und subtropisch waren hier Flora und Fauna. Breite und große Flüsse flossen durch die heutigen trocknen Weiten. Immer wieder kam es zu riesigen Überschwemmungen. Bäume wurden entwurzelt und Tiere von den Wassermassen mitgerissen. Vulkanausbrüche lagerten über viele Millionen Jahre immer wieder Sediment ab.

Mit dem Auseinanderdriften der Kontinente verschoben sich die Klimazonen und was über Millionen von Jahren tief unter der Erde vergraben blieb, begannen die Kräfte der Natur wieder freizulegen. Heute blickt man auf vielseitige Farben und Formen von Gesteinen und kann die Überreste der einstigen, bis zu 50 Meter hohen Bäume als versteinerte Artefakte betrachten. Teilweise sind die Baumstämme so gut erhalten, dass man noch aus wenigen Metern Entfernung das Gefühlt hat auf gerade frisch gefällte Baumstämme zu sehen. Unglaublich und faszinierend.

Doch so karg diese Landschaft erscheint, bereits vor und nach Christus lebten hier Pueblo Indianer verschiedener Stämme. Auch diese Überreste menschlichen Lebens kann man im Nationalpark bestaunen. Es finden sich Grundmauern von Gebäuden, ein Sonnenwendkalender und jede Menge Petroglyphen - also indianische Felsenmalereien.

Knapp 40 Fahrminuten hinter dem Nationalpark halten wir in Holbrook - ein Hüngerchen treibt uns in diesen ebenfalls alten und geschichtsträchtigen Ort. Er galt zu Zeiten des Wilden Westens als ein übles Pflaster, in welchem für Frauen und Kirchen kein Platz war. Viele texanische Cowboys flohen hierher, um sich der Hand des Gesetzes zu entziehen. Das hart erarbeitete Geld verspielten und verhurten sie sofort in den Saloons der Stadt und Streitigkeiten wurden mit dem Revolver geklärt. Der Höhepunkt war jedoch eine über ein Jahrzehnte dauernde Familienfehde zweier Viehzüchter, welche beinahe die gesamten Familien auslöschte.

Heute ist Holbrook eher durch das Wigwam Motel noch ein Begriff.  Zu Hochzeiten der Route 66, welche durch Holbrook verlief, konnte der Reisende eine Nacht in einem steinernen Wigwam verbringen. Über viele Jahrzehnte dem Verfall ausgeliefert, bescherte der Route 66 Tourismus dem Motel ein Rivival. Thematisch fand das Motel auch einen Platz im Pixar Animationsfilm Cars. Heute kann man in dem renovierten Motel wieder übernachten.

Von Holbrook aus geht es weiter in Richtung Flagstaff und von hieraus in eine Landschaft, wie wir sie von Arizona nicht erwartet hätten. Wir tauchen ein in hohe Berge, tiefe Wälder und einen Anblick atemberaubender Schönheit. Wir treffen kurz vor Sonnenuntergang in Sedona, ca. 30 Miles südlich von Flagstaff ein. Der Ort und die Berge scheinen in einem glutroten Feuer die Nacht zu beginnen. Mit Staunen verfolgen wir dieses Schauspiel. Auf Bilder von Sedona und den Red Rock Secret Mountains dürft Ihr Euch morgen freuen.